Zwischen Kohlenstaub und Karriereleiter: Heizer und Lokführer bei der SBB

Johanna Rustler
16. März 2026

Vom Lehrling im Depot zum Lokomotivführer: Anhand der Laufbahnen von Gottlieb Wildi und Ernst Schneeberger zeigt dieser Beitrag, wie hart, aber auch verlässlich der Karriereweg im Dampflokzeitalter war.

Wer zur Zeit der Dampflokomotiven Lokführer werden wollte, begann fast immer im Depot. Dem Traum vom Führerstand gingen Jahre harter Arbeit als Lehrling und Heizer voraus. Der Beruf war schmutzig, gefährlich und körperlich sehr anstrengend. Dafür bot er einen klar geregelten Weg in eine sichere Beamtenlaufbahn. Diese Laufbahn war damals nur für Männer zugänglich.

Am Anfang stand meist eine mehrjährige Ausbildung im Bahndepot. Die jungen Männer reinigten Lokomotiven, entfernten Russ und Flugasche, schmierten bewegliche Teile und polierten Metall. Dabei lernten sie jedes Bauteil der Maschine kennen. Sie mussten früh aufstehen, um abgekühlte Lokomotiven wieder herzurichten, damit diese für den nächsten Einsatz bereit waren. Wer sich bewährte, wurde Heizer auf der Lokomotive.

Historisches Gemälde einer Dampflokomotive auf einem Eisenbahngelände mit mehreren Gleisen. Die Lokomotive steht vor einem Zugverband und stösst dunklen Rauch aus; im Vordergrund sind Weichen und Gleisanlagen zu erkennen, im Hintergrund weitere Eisenbahnfahrzeuge sowie eine hügelige Landschaft unter bewölktem Himmel.
Kunstwerk, Ad. Schmid-Rösli, "ohne Titel", Dampflokomotive auf der Gelände der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM).

Als Heizer war man für das Feuer und somit für den Dampf im Kessel verantwortlich. Pro Schicht schaufelten die Heizer mehrere Tonnen Kohle in den Feuerraum, zerkleinerten die Stücke und legten sie so, dass die Hitze- und Dampfentwicklung stimmte. Der Lokführer steuerte die Geschwindigkeit und Richtung des Zuges. Dabei mussten der Wasserstand im Kessel und die Anzeigen gleichzeitig im Blick behalten werden. Zudem war eine enge Zusammenarbeit erforderlich. Ohne einen guten Heizer konnte selbst der beste Lokführer seine Lok nicht souverän führen.

Historisches Werbeplakat mit einer Dampflokomotive auf einem Bahnhofsgleis. Im Vordergrund steht ein Kind neben den grossen Treibrädern und blickt zur Lokomotive empor; aus dem Führerstand beugt sich eine Person nach aussen. Die Schwarz-Weiss-Aufnahme betont den Grössenunterschied zwischen Kind und Lokomotive.
Plakat, «Junge neben Dampflokomotive», 1936.

Die Laufbahnen von Gottlieb Wildi und Ernst Schneeberger, die sich in den Beamtenverzeichnissen der SBB nachverfolgen lassen, zeigen, wie geregelt dieser Berufsweg war. Wildi wurde 1876 in Wiggiswil im Kanton Bern geboren. Er trat 1897 in den Bahndienst ein und wurde drei Jahre später, 1900 als Heizer in Biel definitiv angestellt. Sein Jahresgehalt lag damals bei 1600 Franken. Mit jedem weiteren Dienstjahr stieg es regelmässig an. Am 1. Juli 1907 wurde Wildi zum Lokomotivführer befördert und war damit fortan für die Lok statt für das Feuer verantwortlich. In den folgenden Jahren kletterte sein Lohn weiter: 1912 auf 2900 Franken und 1919 schliesslich auf 3600 Franken − den Höchstbetrag in seiner Lohnklasse. Dienstalter, Erfahrung und Zuverlässigkeit übersetzten sich bei der Eisenbahn ziemlich direkt in Lohnstufen.

Ähnlich verlief die Karriere von Ernst Schneeberger, der 1880 in Schoren bei Bern geboren wurde. Er trat 1901 zunächst provisorisch in die Dienste der Eisenbahn ein, vermutlich als Lehrling. 1904 wurde er als Heizer in Bern definitiv übernommen, mit einem Anfangsgehalt von 1300 Franken pro Jahr. In den folgenden Jahren steigerten sich seine Bezüge Schritt für Schritt. 1912 verdiente er als Heizer bereits 2350 Franken; inzwischen war er in Thun stationiert. Am 1. Juli 1914 folgte der entscheidende Karriereschritt: Schneeberger wurde zum Lokomotivführer ernannt. Damit wechselte er zur Gesamtverantwortung für die Maschine und den Zug. Sein Lohn wuchs weiter, bis er 1922 den Maximalbetrag von 3 600 Franken erreichte.

Historische Erinnerungstafel mit Porträtfotografien mehrerer Eisenbahnmitarbeiter und einer Dampflokomotive mit Tender in Seitenansicht am unteren Bildrand.
«Lokomotivführer-Verein Sektion Bern», (Schneeberger E. unten, dritter von rechts), 1922.

Die Beispiele von Wildi und Schneeberger zeigen, wie klar strukturiert die Laufbahn im Dampfzeitalter war. Über Jahre hinweg harte körperliche Arbeit im Kohlenstaub, Erfahrung und die ständige Zusammenarbeit im Führerstand führten zu gesicherten Stellen mit steigender Entlohnung. Die Heizer waren dabei weit mehr als blosse Hilfskräfte. Sie waren Fachleute für Feuer und Wasser und bildeten das Fundament der Lokführerkarriere.

Aquarell / Gouache «Jura-Simplon» von E. Conrad, ca. 1890.

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