Hinter den Kulissen des «Trans Europ Express»

Isabelle Bitterli, SBB Historic
15. April 2026

Wer mit dem Trans Europ Express von SBB Historic reist, erlebt ein Stück europäische Bahngeschichte. Damit diese historischen Fahrzeuge auch heute noch sicher und zuverlässig unterwegs sein können, braucht es jedoch weit mehr als die eigentlichen Fahrtage. Hinter den Kulissen arbeiten unsere Fachleute laufend an der Pflege, Kontrolle und Instandhaltung der Fahrzeuge.

In den vergangenen Monaten standen am «Trans Europ Express» mehrere anspruchsvolle Arbeiten auf dem Programm. Zum einen mussten alle Klimaanlagen geprüft und revidiert werden. Für zuverlässige Testergebnisse braucht es aber eine warme Umgebungstemperatur, weshalb diese Arbeit auf die wärmeren Monate verschoben werden musste. Für die kalte Jahreszeit gab es aber genügend zu tun.

Neue Gummibalge für den TEE

Wer den TEE von aussen betrachtet, erkennt zwischen den Wagen die markanten Gummibalge. Sie dichten die Übergänge ab und bewegen sich bei jeder Fahrt mit den Wagen mit. Gleichzeitig sind sie, da sie von aussen mit Ösen an den Wagen befestigt sind, dem Fahrtwind enorm ausgesetzt und werden durch die Bewegungen des Zuges in Kurven und Weichen stark belastet. Diese Balge mussten erneuert werden, denn sie wiesen Risse auf, dies wegen den verwendeten gezackten Ösen, wie wir vermutet haben.

Jeder Balg ist aufgrund seiner unterschiedlichen Ausschnitte ein Einzelstück. Wie so oft bei historischen Fahrzeugen stellte sich zunächst die Ersatzteilfrage. In unserem Lager in Windisch fanden sich zwar noch einige Originalösen ohne Zacken, jedoch längst nicht genügend für alle Balge. Deshalb musste ein Hersteller gefunden werden, der die benötigten Teile neu fertigen konnte. Gleichzeitig wurde mit ehemaligen Lieferanten abgeklärt, welche Gummimischungen ursprünglich verwendet wurden und welche modernen Materialien sich heute als geeignete Alternative anbieten.

Einer der neuen Bälge zwischen den Wagen des TEE
Einer der neuen Bälge zwischen den Wagen des TEE, 2026, © SBB Historic

Auch bei der Umsetzung war Kreativität gefragt. Für jede der rund 160 Ösen pro Balg sind vier Tonnen Presskraft erforderlich. Eine geeignete Presse fanden wir auf Ricardo, während ein stabiler Arbeitstisch eigens im Depot gebaut wurde. Dort konnte auch der Kantenstreifen präzise auf den Balg aufvulkanisiert werden. Die Fahrt mit dem ersten Prototyp zeigte jedoch, dass sich der Gummi unter der enormen Belastung des Fahrtwindes in den Ösen verschob. Dadurch liegt der Balg nicht mehr optimal am Wagenkasten an, was das Eindringen von Wind begünstigt und das Material zusätzlich beansprucht. Nun wurde auch klar, weshalb man damals gezackte Ösen verwendet hat; man hoffte, dass sich dadurch der Gummi nicht mehr so einfach aus den Ösen schob. Wir erfuhren, dass dies bereits zu Betriebszeiten des TEE eine bekannte Schwachstelle war, für die nie eine wirklich dauerhafte Lösung gefunden wurde. Mittlerweile sind alle Balge erneuert und wir hoffen, diese Schwachstelle nachhaltig behoben zu haben.

Nahaufnahme eines schwarzen Balgs, mit einer Reihe Ösen an der cremefarben-roten Wagenwand des TEE befestigt, 2026
Jeder Balg ist anders, im Schnitt sind sie mit 160 Ösen am Wagen fixiert, 2026, © SBB Historic
Revision der Klimaanlagen

Parallel dazu beschäftigen wir uns intensiv mit den Klimaanlagen der TEE-Wagen, denn vor allem die Anlage im Wagen 2 funktionierte nicht wie gewünscht. Zuerst zeigte sich, dass die Temperaturfühler ungünstig platziert waren. Sie wurden deshalb ins Wageninnere verlegt und neu montiert, damit die Regelung künftig zuverlässiger arbeitet.

Danach machten wir uns an die eigentliche Revision der Klimageräte. Jeder Wagen verfügt über eine eigene Anlage unter dem Wagenkasten. Ob ein defektes Expansionsventil oder Verschmutzungen im System die Ursache der Störung waren, liess sich erst nach einer vollständigen Überprüfung feststellen. Dafür musste das jeweilige Gerät ausgebaut und zerlegt werden. Zunächst musste das Kältemittel durch eine spezialisierte Fachfirma abgesaugt werden, bevor die Leitungen getrennt und die schweren Aggregate ausgebaut werden konnten. Glücklicherweise stand in Windisch ein Ersatzgerät zur Verfügung, sodass man immer an einem Gerät in der Werkstatt arbeiten kann. So werden werden alle Klimageräte nach und nach überprüft und revidiert. Erste Tests stimmen optimistisch. Eine verlässliche Beurteilung der Leistung ist allerdings erst im Hochsommer möglich, wenn die Anlagen unter realistischen Bedingungen arbeiten können.

Das ausgebaute Klimagerät des TEE-Wagens 2 mit Ventilator, grünem Kompressor und Kupferleitungen auf dem Depotboden, 2026
Das ausgebaute Klimagerät vom Wagen 2, 2026, © SBB Historic

Diese Arbeiten zeigen exemplarisch, wie viel Know-how, Engagement und Detailarbeit notwendig sind, um historische Fahrzeuge betriebsfähig zu halten. Jede Fahrt mit dem TEE ist das sichtbare Ergebnis vieler Stunden Werkstattarbeit. Nur durch regelmässige Wartung, sorgfältige Kontrollen und gezielte Instandhaltungen können wir die Sicherheit unserer Fahrzeuge gewährleisten und Bahngeschichte auch in Zukunft auf den Schienen erlebbar machen.

Tauchen Sie ein