Alan Schär, freier Journalist
30. August 2025
Im Jahr 2027 wird die SBB ihr 125-jähriges Jubiläum feiern. Zu den Festivitäten gehört auch ein Blick in die Vergangenheit. Bis dahin soll eine letzte Lücke im fahrtüchtigen Bestand von SBB Historic gefüllt werden. Denn bis jetzt fehlt noch ein Zug aus den 1930er-Jahren, um endlich alle prägenden Epochen der Schweizer Bahngeschichte im Angebot von SBB Historic erlebbar zu machen. Es herrscht Zeitdruck.
Ein Teil der Restaurierungsarbeit wird im Depot Olten vorgenommen. Wer regelmässig in der Schweiz Zug fährt, dem ist Olten ein Begriff. Historisch interessierte Zugreisende kennen vielleicht das historische Restaurant Bahnhofbuffet oder den «Kilometer Null Stein», von dem aus ursprünglich das schweizerische Schienennetz vermessen worden ist. Das weniger bekannte Depot Olten ist zwischen Bahnhof und Industrie versteckt. Es handelt sich dabei um einen der acht Standorte von SBB Historic. Hier wer 1 den einige der wichtigsten Exponate der Schweizer Eisenbahngeschichte restauriert, gewartet und aufbewahrt.
Bei einem Besuch im Depot Olten führt Etienne von Gunten – ausgebildeter Konservator-Restaurator von SBB Historic – durch die grosse Fahrzeughalle, vorschriftsgemäss im neon-orangen Sicherheitsgilet gekleidet. Inmitten von Eisenbahn-Klassikern wie dem «Roten Pfeil» oder dem legendären «Krokodil» gibt er Einblick in das aktuelle Restaurierungsprojekt. Er und sein Team arbeiten an einer Zugskomposition aus den 1930er-Jahren. In Olten werden aktuell zwei dieser Wagen restauriert: der BC4ü 5043 und der Dr4ü 25. Einige weitere Wagen befinden sich zur Asbestsanierung im Depot in Winterthur 2 oder einem Partnerwerk in Arquata Scrivia (I). Schon die Besichtigung der zwei Wagen bietet jedoch einen interessanten Einblick in die Arbeit des Oltner Teams.
Von aussen sieht der kastanienbraune Wagen mit der Aufschrift «Dr4ü 25» nach einem durchaus alten, aber gut erhaltenen Exemplar aus. Ein erster Blick durch die Tür erzählt eine andere Geschichte: Ein Abschnitt des Innenraums steht komplett leer und ist von Boden bis Decke mit Chrom stahl verkleidet. Von Gunten erklärt, der Dr4ü 25 sei ein Speisewagen gewesen – Baujahr 1930. Der Küchen bereich sei aber nicht mehr erhalten. Daher hat sich das Restaurierungs team dafür entschieden, im Dr4ü 25 eine Gastroküche nach modernen Standards einzubauen. Diese soll bei einer zukünftigen Erlebnisfahrt im 1930er-Jahre-Zug die Verpflegung der Passagiere gewährleisten.
Hier zeigt sich die Besonderheit der Wagen in der Sammlung: SBB Historic will seine Fahrzeuge erlebbar machen, deshalb müssen sie den heutigen Sicherheitsvorschriften entsprechen, lange Strecken zurücklegen und Menschen beherbergen können. Dies unterscheidet sie von historischen Exponaten, welche geschützt in einem Museum stehen. Die Wagen werden erst fahrtüchtig gemacht. Danach kommen bei der Restaurierung die Arbeiten an den Zugtoiletten oder an den Bordküchen an die Reihe. Dabei einen hohen Grad an historischer Akkuratesse beizubehalten, stellt das Team im Depot Olten Tag für Tag vor komplexe Aufgaben. Denn wenn in zwei Jahren eine Komposition mit sechs 1930er-Wagen zusammen über die Schienen rollt, muss jedes Detail stimmen.
Die Restaurierung des 1930er-Jahre Zugs ist für SBB Historic ein Projekt 3 8 von grosser kultureller Bedeutung – aber auch eine finanzielle Herausforderung. Um die aufwendige Aufarbeitung der historischen Wagen zu ermöglichen, setzen wir unter anderem auf Partnerschaften. Noch in diesem Jahr wird der 1930er-Jahre-Club gegründet, der sich gezielt für die Finanzierung des Projekts engagiert – nach dem erfolgreichen Vorbild des TEE-Clubs. Wer zur Erhaltung eines einzigartigen Stücks Schweizer Bahngeschichte beitragen möchte, ist eingeladen, Teil dieses Engagements zu werden.